Hochzeitstag

2 Jahre ist es heute her und ich erinnere mich, als wäre es gestern gewesen: 
Wie ich vorne am Altar stehe, den Blick Richtung Tür gerichtet. Unsere Familien und Freunde schauen gespannt abwechselnd zwischen mir und dem Eingang hin und her. Das Taschentuch, dass ich für den Notfall in meiner Brusttasche hatte und jetzt durch meine Hände gleitet, zerfällt nach und nach in seine Bestandteile und kann sicher keine Träne mehr fangen. 


Plötzlich beginnt die Orgelmusik, eines der Blumenmädchen weint und läuft zu ihrer Mutter, doch Rosalie sehe ich in ihrem Glitzerkleid vor der Kirchentür herumlaufen. Es interessiert sie gar nicht, wie viele Augen von drinnen auf sie gerichtet sind, denn sie selbst hat nur Augen für eine bestimmte Person. 
Die Doppeltür öffnet sich, Rosie kommt rein und schaut ständig über ihre Schulter, kann ihren Blick nicht von ihr nehmen… 

Und so geht es in diesem Moment allen: keiner interessiert sich mehr für den zitternden Bräutigam, dessen Unterlippe ein Eigenleben zu entwickeln scheint und der verzweifelt versucht nicht der Erste zu sein, der seine Tränen nicht zurückhalten kann! Mir entgleiten komplett die Gesichtszüge und aus meinem perfekten Prince-Charming-Lächeln wird ein verzweifeltes Grinsen… Mein Herz rast!

Niemand achtet auf die Blumendeko am Altar oder die weiß und türkisen PomPoms an den Kirchenbänken, die farblich perfekt darauf abgestimmten Kirchenhefte…

Alle schauen nach hinten auf die wunderschöne Braut, die sich am Arm ihres Vaters in die Kirche führen lässt. 

Dieser Anblick und Händels: „Ankunft der Königin von Saba“ verpasst allen eine Gänsehaut. Als ich im Nachhinein den Titel des Stückes erfuhr, wusste ich, dass es die perfekte Wahl war. Denn in diesem Moment war Stephie eine Königin – MEINE Königin! 

Nicht nur unseren Müttern rinnen Tränen über die Wangen, doch davon bekomme ich überhaupt nichts mit. Mein Blick ist starr auf Stephie gerichtet, wie sie in einem Traum aus weißem Tüll, etwas Spitze und ein wenig Glitzer den Gang entlang schreitet und lächelt. 

Nein, sie lächelt nicht, sie strahlt, ihre Augen funkeln! 

Als Stephie mit ihrem Papa vorne bei mir angekommen ist, stehe ich da wie angewurzelt. Er will mir seine Tochter „übergeben“, doch ich bin noch ganz geflashed von ihrem Anblick. Nach wenigen Sekunden schaffe ich es doch meine Beine zu bewegen und sie „anzunehmen“. Ich kann mich nicht zurückhalten und küsse sie, nehme sie in den Arm und Luft um uns herum knistert vor lauter Liebe und Energie mit dem Tüll des Kleides um die Wette!

 
Wenn ich daran zurück denke, läuft mit ein Schauer über den Rücken und meine Augen füllen sich mit Tränen. Das war einer der schönsten Tage meines Lebens! Ich kann mich an jedes Detail dieser Sekunden erinnern, in der ich Stephie zum ersten Mal in ihrem Brautkleid sah… 

Rosalie hat später immer, wenn es um die Hochzeit ging gesagt: „dauernd geküsst“… Das schien ihr aufgefallen zu sein und sie hatte auch recht! Wir waren so glücklich und konnten nicht voneinander lassen! Darf mal die Braut in der Kirche überhaupt küssen, bevor man getraut ist?! Keine Ahnung! Wenn nicht, dann haben wir so einiges falsch gemacht! Auch bei den Hochzeitsfotos war es schwierig mal ein Bild zu finden, auf dem wir uns nicht küssten. 

Es war einfach traumhaft… Und ich weiß, das habe ich schon so oft gesagt und ihr könnt es wahrscheinlich nicht mehr hören, aber ich würde diese Hochzeit am liebsten jedes Jahr wiederholen. Ach Quatsch, ich würde Stephie jeden Tag wieder heiraten! 


Alle Fotos von Silke Hufnagel

11 Gedanken zu “Hochzeitstag

    • Es ist schnulzig, aber ich liebe Schnulz! Die Hochzeit war ein Traum! Bei deinem Artikel habe ich Tränen gelacht! Das Ergebnis ist aber das gleiche: eine glückliche und funktionierende Familie (soweit ich das nach einem Treffen mit euch beurteilen kann)!

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