Liebe auf den ersten Blick… (Teil 2)

Bad Taste. Ich hab meiner Meinung nach sehr guten Geschmack, kann diesen aber auch gut ausstellen und das Gegenteil forcieren. Wir haben also im Kostümfundus gewühlt und Strumpfhosen und Leggins mit ein paar Teilen aus unserem Kleiderschrank kombiniert. Meine Schwester trug soweit ich mich erinnere eine schwarz-gelb gestreifte Strumpfhose zu Hotpants und Tanktop. Ich habe einer grünen Jeans ein Bein abgeschnitten und sie mit einem pinkfarbenen Polo und einer türkisen Krawatte kombiniert. Ok, jetzt musste nur noch das nackte Bein kaschiert werden und dazu gab mir meine Schwester eine schwarze Paillettenleggins… Ja, ich sah alles andere als verführerisch aus!

Na ihr kennt mich ja jetzt auch schon und wisst, dass ich nicht der typische Mann bin. Und genau so wisst ihr, wie Menschen gerne in Schubladen denken und so haben mich früher viele gleich mit einem Label versehen… Sogar meine Tante bildete sich so eine Meinung über mich und hatte Stephie bereits von ihrem schwulen Neffen erzählt. Als ich dann an diesem Abend den Raum betrat, dachte Stephie: „Das ist also ihr schwuler Neffe…“. Aber wahrscheinlich hätte jeder so gedacht und ich könnte es niemandem verübeln, schließlich trug ich eine Paillettenleggings… Mir ist Stephie jedenfalls auch sofort aufgefallen, diese Schönheit, mit ihren grün-grauen Augen und den knallroten Lippen, die hier in dieser Gesellschaft so fehl am Platze wirkt. Vom ersten Moment an war sie für mich eher wie Anastasia, die verlorene Tochter von Zar Nikolaus (also nicht direkt Anastasia, sonst wäre sie jetzt über 100, aber eine Nachfahrin eben), ihre Ausstrahlung war einfach besonders!  Doch leider konnte ich jetzt keinen zweiten Blick auf sie riskieren, denn die Szene hatte den Untertitel „Auftritt Familie S.“ Und so sind wir geschlossen quer durch den Raum marschiert, kurz links und rechts gegrüßt, über die Tanzfläche direkt in die Bar um die Party in Schwung zu bringen.

Es dauerte nicht lange, bis meine Tante Stephie gepackt und zu uns in die Bar geschleppt hatte. Ich war froh, denn für mich war es Liebe auf den Ersten Blick und ich konnte es nicht abwarten sie endlich anzusprechen. Leider hatte ich keine Ahnung, wie ich anfangen sollte und so macht sich Stephie heute noch über meine ersten Worte an sie lustig: „Wenn wir zusammen wären, dann wäre ich ja mit der Lehrerin meines Bruders zusammen! Das wäre doch echt cool!“ Idiot! Fall gleich mit der Tür ins Haus… Im Nachhinein ist mir das auch so peinlich, aber Hey, das Ergebnis zählt oder?! Stephie war übrigens nicht die Lehrerin meines Bruders, er ging nur auf die Schule in der sie als Referendarin unterrichtete! „Du hast wohl einen Vogel!“,war ihre Antwort, über die ich einfach weggegrinst habe. Meine Augen waren die ganze Nacht an sie geheftet, ich bin ihr wahrscheinlich sehr auffällig überall hin gefolgt, egal ob Tanzfläche, Bar, Gastraum oder nach draußen. Von Anfang an war ich eifersüchtig auf jeden Mann, der mit ihr ins Gespräch kam, auch wenn – wie schon erwähnt – kaum jemand in ihrem Alter da war.

Es war ein toller Abend und eine super Party. Wenn wir jetzt Shakiras „Waka Waka“ im Radio hören, dann weist mich  Stephie immer darauf hin, dass sie mich auf der Bank stehen und die Hüften schwingen sieht… Ja, wir haben die Party immer aufgemischt und Stimmung gemacht. Zu später Stunde gab es dafür für uns nochmal einen Schnaps aufs Haus, auf den es Stephie schwindelig wurde. Sie ging nach draußen und ich folgte ihr. Anfang März hatte es um diese Uhrzeit fast noch Minusgrade und Stephie musste in ihrem kurzen Nachthemd und dem nicht viel längeren Bademantel, den sie von meiner Oma geliehen hatte ziemlich frieren. Als Gentleman ging ich ihr nach um ihr einen wärmenden Platz in meinen Armen anzubieten. Wir gingen ein paar Schritte…

Und ja, was soll ich sagen?! Ich nahm einfach all meinen Mut zusammen – ich hatte mir mal geschworen keinen „perfekten Moment“ mehr verstreichen zu lassen – drehte mich zu ihr und küsste sie!

Wie von einem Regiseur inszeniert stehen wir direkt unter einer Straßenlaterne und küssen uns.

Nachdem Stephie den Kuss kurz erwidert hatte, schob sie mich weg und meinte: „ich dachte, du wärst schwul!“,“Falsch gedacht!“. Ich küsste sie gleich nochmal. „Aber ich bin viel älter als du!“ „Das spielt doch keine Rolle!“ Und dann gab es keine Widerworte mehr… Wir haben uns auf ein Mäuerchen in der Nähe gesetzt, uns unterhalten und ab und zu wieder geküsst. Wir waren so vertieft in unser Gespräch, dass wir nicht mitbekamen, wie sich meine Familie nach mir suchend auf den Heimweg machte.

Ich weiß nicht wie viel Zeit verstrich, während wir eng umschlungen auf dieser kleinen Mauer saßen, aber irgendwann waren wir ziemlich durchgefroren und gingen zurück zur Party. Es war nicht mehr viel los, aber ich glaube allen im Raum war klar, was gerade passiert war… „Guckt mal da, der Georg vom Engel hat sich gerade verliebt!“, dachten bestimmt so einige! Die Stimmung war zu dieser späten Stunde schon etwas abgeebbt und so entschieden wir nach Hause zu gehen. Ich hätte eigentlich nur über die Straße gehen und den 3. Stock erklimmen müssen, dann wäre ich in meinem Zimmer gewesen, doch ich bestand darauf, Stephie noch nach Hause zu bringen (auf dem Dorf im Spessart ist es echt gefährlich 😉 noch nie was von den Spessarträubern gehört?!).

Meine Tante hat zu dieser Zeit wieder bei ihren Eltern gewohnt, also habe ich Stephie zum Haus meiner Großeltern gebracht. Das ist auch nur ein sehr kurzer Weg – normalerweise brauche ich für diese Strecke 5 Minuten – doch wir haben deutlich länger gebraucht, so leicht angetrunken und Arm in Arm. An der Haustür wollte ich mich verabschieden, doch meine Tante bestand darauf, dass ich nicht mehr alleine zurück laufe – Spessarträuber und so- also verbrachten Stephie und ich unsere erste Nacht bei meiner Oma…

Klingt doch verrückt oder?! Aber in der Nacht ist nichts passiert, nicht dass ihr denkt „der ist aber einer, springt da sofort mit der ins Bett und das noch neben dem Schlafzimmer seiner Oma!“! Wir übernachteten zusammen mit meiner Tante in ihrem Zimmer, sie und ihr Hund im Bett und ich und Stephie auf dem Sofa. Also geschlafen habe ich nicht! Denn erstens hatte ich noch immer diese Leggings an (man haben diese Pailletten gepikst), zweitens lagen wir zusammen auf einem zu schmalen und zu kurzen Sofa und drittens… Lag neben mir die schönste Frau der Welt! Ich habe sie glaube ich die ganze Nacht angestarrt und ihr Atmen belauscht – ok, es war eher ein leichtes Schnarchen 😉 … Ich konnte mein Glück nicht fassen und wusste ja nicht, ob ich sie wieder sehen würde, deshalb wollte ich keinen Moment verpassen.

Wenn meine Tante von dem Abend erzählt, dann sagt sie immer, man hätte mir genau angesehen, dass ich mich verliebt habe. Ich hätte Stephie so angestrahlt, dass es für niemanden zu übersehen war.

In der nächsten Woche hatte Stephie Ferien, meine Familie war Skifahren und ich bin zum Hundesitting zuhause geblieben – zum Glück, denn so konnte ich Stephie fast jeden Tag treffen. Wir waren im Kino, haben zusammen gefrühstückt und einmal zusammen gekocht, bis uns eindeutig klar war, dass wir uns beide das selbe wünschen…

Ja und ihr wisst ja, was daraus dann geworden ist 😉

Version 2

5 Gedanken zu “Liebe auf den ersten Blick… (Teil 2)

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