Geburtsbericht aus Männersicht – Teil 3

„Bin ich schon Papa?“ und „Ist es ein Junge oder ein Mädchen?“

Noch während meiner rasanten Fahrt Richtung Uniklinik bekam ich endlich ein paar Nachrichten von Stephie, die sie wohl schon vor ein paar Stunden abgeschickt hatte:

„Ich kann gar nicht schlafen, so stark sind die Wehen“ – 00:17 Uhr

„Ich habe nicht geschlafen und habe immer noch alle 8 Minuten Wehen! Ich hab deine Mama geweckt und wir fahren jetzt wieder ins KH!“ – 02:49 Uhr

„Die schicken uns dauernd raus zum spazieren gehen! Die Wehen sind regelmäßig, aber am Muttermund tut sich nix!“ – 4:10 Uhr

„Fährst du erst heim und ziehst dich um oder kommst du gleich?“ – 5:06 Uhr

Und jetzt endlich eine Antwort auf meine hundert abgeschickten Nachrichten:

„Nein, das Baby ist noch nicht da! Fahr vorsichtig und sag Bescheid, wenn du da bist, wir spazieren hier durch die Gänge!“
Oh mein Gott! Danke! Endlich Erleichterung, trotzdem blieb mein Bleifuß fest auf dem Gaspedal, nicht dass ich die Geburt auf die letzten Meter noch verpasse…
Am Uniklinikum angekommen, konnte ich dank der frühen Uhrzeit – es war jetzt kurz vor 6 – direkt vorm Geburtshaus parken! Noch in Uniform hetzte ich hinein und die Treppen hoch – Tipp für alle Schwangeren und werdenden Väter: vorher mal das Krankenhaus anschauen, damit man weiß wohin! Oben im Treppenhaus saß schon meine Mutter, die mich erleichtert in den Arm nahm. Stephie kam gerade oben um den Treppenabsatz herum. Überglücklich schloss ich sie in die Arme und spürte gleich, wie schwach und erschöpft sie war!

Da sich der Muttermund trotz der anhaltenden Wehen kaum weiter geöffnet hatte, wurde sie ständig wieder zum Spazierengehen weggeschickt und weil es ziemlich kalt war und der Nieselregen es draußen unerträglich machte, liefen die beiden durch die leeren Gänge und Treppenhäuser!

Meine Mutter ließ uns einen Moment Zweisamkeit und holte eine Runde Kaffee am Automaten. Den trank ich dann genüßlich, während mir Stephie und meine Mama abwechselnd vom Wehenverlauf der letzten 30 Stunden berichteten! Jetzt zog ich mich erstmal um und Stephie kam wieder ans CTG und den Wehenschreiber. Nach der offiziellen „Übergabe“ kam mein Vater, der Frühstück brachte und meine Mutter mit nach Hause nahm! Sie musste jetzt gleich in die Konditorei, schließlich hatte sie schon die Arbeit von Freitag nachzuholen und Samstags stand nicht weniger auf dem Programm. Meine Mutter… sie hat für uns Kinder schon immer alles gegeben und war die letzten Stunden so selbstverständlich für Stephie da gewesen, als wäre sie ihre eigene Tochter! Nicht nur dafür bin ich ihr auf ewig dankbar!

Wir verbrachten jetzt abwechselnd Stundenschichten mit Überwachen und Spazieren! Im Überwachungsraum lag Stephie mit diesen Gurten um den Bauch auf einer Liege und ich versuchte es mir auf einem Stuhl einigermaßen gemütlich zu machen! Wir schliefen in den Wehenpausen immer ein, doch die waren leider nicht besonders lange und so waren die Stunden dort nicht erholsamer als die Stunden, die wir auf den Fluren oder dem Klinikgelände verbrachten. Jedes Mal, wenn wir von unseren Märschen zurückkamen, hofften wir, dass sich der Muttermund weiter geöffnet hat und als dies an diesem Tag gegen 12 Uhr immer noch nicht der Fall war, beschloss ich, dass wir nach Hause fahren! Dort konnten wir wenigstens bequemer liegen und ich ein bisschen Schlaf nachholen! Gegen 17 Uhr bestellten wir etwas beim Italiener: ich habe gegessen, Stephie nicht.

Danach fuhren wir wieder für 2 ernüchternde Stunden in die Klinik, bevor wir die Nacht von Samstag auf Sonntag wieder zuhause verbrachten. Trotz der Aufregung konnte ich im Gegensatz zu Stephie ziemlich gut schlafen und war fit, als wir um 3 Uhr wieder ins Auto Richtung Krankenhaus stiegen!

Ich hatte mir eine App heruntergeladen, mit der man Wehenabstände messen und -intensität dokumentieren konnte, damit wir den Überblick behielten. Zeitweise hatte Stephie alle 5 und später wieder alle 10 Minuten Wehen… Nachdem Samstag laut Hebamme wohl einer der geburtsträrksten Tage ihres Arbeitslebens war, hatte man heute Nacht einen leeren Kreissaal für uns, in dem das Bett für Stephie und die Sitzmöglichkeiten für mich um einiges bequemer waren.

Der Muttermund war jetzt „etwas weiter als gestern, zwischen 2-3 cm“ weit offen. Stephie wurde weiter überwacht und stieg zur Entspannung auch einmal in die Badewanne. Und als man uns morgens um 10 Uhr stationär aufnehmen wollte, waren es immerhin „schon fast 3 cm“! Also hatte sich quasi nichts getan… Da es auf der Neugeborenenstation heute etwas leerer wurde, hat man uns dort ein Zimmer angeboten. Bevor wir jedoch entschieden, ob wir das annehmen verlangte ich nach einem Gespräch mit der Hebamme und einer Ärztin! Unsere Hebamme war übrigens ein Mann! Ja, er meinte es gäbe außer ihm deutschlandweit nur 3 weitere Männer, die eine Ausbildung absolviert hätten und es gibt tatsächlich keine männliche Version des Begriffes „Hebamme“!

Als endlich alle versammelt waren, hatte ich nur eine simple Frage: „Rechnen Sie damit, dass es in den nächsten Stunden los geht? Wenn ja, dann sparen wir uns das hin und her und gehen auf die Station. Wenn nicht, dann fühlen wir uns zuhause doch wohler und fahren dorthin!“

„Da es wirklich sehr langsam voran geht, rechnen wir so schnell nicht mit der Geburt. Wenn sie jetzt aber fahren, rechne ich heute Abend, spätestens heute Nacht fest mit Ihnen, denn zu lange dauert es nun auch nicht mehr.“

Das war mal eine Ansage und wir entschieden uns dafür, den Tag lieber zuhause im Bett zu verbringen. Und dann kam ein Tipp von der Ärztin, mit dem ich so direkt auch nicht gerechnet hätte: „Dann fahren sie nach Hause und versuchen sich ein bisschen zu entspannen. Wenn sie sich körperlich näher kommen hilft das übrigens auch!“ Ja, sie meinte Sex! Wie kommt diese Ärztin denn darauf, dass Stephie nach 3 durchgemachten Nächten, 3 Tagen ohne Nahrungsaufnahme und regelmäßigen Wehen Lust oder ich als übermüdeter und extrem aufgeregter Bald-Papa Lust auf Sex hätten?!

Naja, wir sind also wieder nach Hause gefahren – ich weiß, langsam nervts!

Doch die Ärztin sollte recht behalten! Also nicht mit dem Sex, sondern mit der Geburt ;-).

Das Finale folgt dann hier…

 

 

3 Gedanken zu “Geburtsbericht aus Männersicht – Teil 3

  1. Sososo toll & spannend das ganze aus der Männersicht zu lesen!
    Hut ab George für deine Worte.. nicht viele Papas können das so beschreiben glaube ich! Bin so gespannt 😍😀

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  2. Schön mal eine Sicht des Mannes zu hören – bin gespannt wie es weitergeht 🙂 meiner war jetzt bei der dritten Geburt, würde mich interessieren, was er so schreiben würde, muss ich ihm mal vorschlagen. Meist jammert er gern, von Hunger, Knie weh, nicht mehr stehen können, sooo müde sein…. 🙂 während ich in den Wehen liege, ist immer ganz lustig und vor allen ne lustige Ablenkung 😉

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  3. Oh Gott, was für ein Krimi, ich schwitze ja schon beim Lesen. 😂🙈
    Einer unserer Kapitäne sass mal im Sim 500 Kilometer von zu Hause entfernt, als die Tür aufging und ein Trainer sagte: „Herzlichen Glückwunsch, Du bist gerade Vater geworden!“
    Er sagte, er wusste nicht, ob er auf der Stelle weinen oder irgendjemanden schlagen sollte 😂🙈
    Gott sei Dank warst Du rechtzeitig da 😊
    Liebe Grüsse von einer Kollegin in Elternzeit 😉

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