Geburtsbericht aus Männersicht – Das Finale

Doch die Ärztin sollte recht behalten! Also nicht mit dem Sex, sondern mit der Geburt ;-).

Gegen halb 6 Uhr abends meinte Stephie, etwas wäre jetzt anders und wir beschlossen die Hebamme zu konsultieren, die uns später auch durchs Wochenbett begleiten sollte.

Diese kam sofort gefahren und untersuchte Stephie. „Ich würde sagen, der Muttermund ist jetzt bei 4cm! Ich massiere dir jetzt den Bauch, aber vorher müsst ihr entscheiden, was ihr wollt: entweder ich benutze dieses Öl“, aus ihrer Tasche hatte sie zwei kleine Fläschchen geholt und hielt das eine noch, „damit werden die Wehen schwächer, du kannst vielleicht noch die Nacht durchschlafen und fährst morgen früh zur Geburt ins Krankenhaus oder ich benutze dieses hier. Damit rege ich die Wehen richtig an und es geht wahrscheinlich heute Abend noch los!“ Stephie und ich wechselten einen kurzen Blick und deuteten dann gleichzeitig auf das zweite Fläschchen, dass uns heute noch zu Eltern machen sollte. Nach der Massage bekam Stephie die Anweisung noch einmal ein Lavendelbad zur Entspannung zu nehmen und dann ganz ruhig wieder in die Uniklinik zu fahren.

Und genau das machten wir, nur war die Autofahrt nicht ganz so ruhig… Die Wehen wurden nämlich wie versprochen heftiger und so vollzog Stephie einen ständigen Positionswechsel auf dem Beifahrersitz zwischen sicher angeschnalltem ordentlichen Sitzen und unangeschnallt mit Blick Richtung Rückbank auf dem Sitz Knien während jeder Wehe! Das machte mich natürlich auch etwas nervös, so dass ich die ein oder andere Verkehrsregel missachtete. An diesem Sonntagabend gegen 19 Uhr war sonst kaum ein Auto auf der Straße, ich habe also niemanden gestört. Ok, außer den Blitzer, der dort am Ortsausgang stand und bei dem wir schon immer einmal ausprobieren wollten, ob er überhaupt funktioniert… Und ja, er funktioniert, das 15€ teure Foto klebt jetzt in Gwennys Fotoalbum!

Im Geburtshaus der Klinik angekommen wurden wir sofort in einen Kreissaal verfrachtet und Stephie verdrahtet. Die Hebamme bestätigte die 4cm und brachte Stephie ein Medikament, das ich aus dem Flieger kannte und das eigentlich gegen Reiseübelkeit verwendet wird… „Nebenwirkung ist Müdigkeit. Sie müssen bisschen schlafen und Krafte sammeln!“

Hier nochmal ein Tipp für alle Männer: Packt euch eure eigene Kliniktasche! Ich hatte nichts dabei und saß deshalb in Jeans und Polo auf einem Sessel neben dem Bett meiner Frau.

Da wir nicht zu Abend gegessen hatten, konnte ich vor Hunger auch kein Auge zumachen. Zum Glück habe ich so neugierige Eltern, die, als ich ihre Anrufe nicht annahm – wir hatten die Pferde schon scheu genug gemacht – einfach zu uns in die Klinik kamen, um nach dem Rechten zu sehen und die ich dann zum Restaurant „zur goldenen Möwe“ schicken konnte, damit ich etwas in den Magen bekam. Nach dem Essen verabschiedete ich sie wieder.

Stephie hatte immer noch nicht geschlafen und so packte die Hebamme ein leichtes Schmerzmittel in den Tropf, damit Stephie länger als nur 6 Minuten in den Wehenpausen ruhen konnte! Das taten wir dann endlich auch für eine Stunde, bis der Tropf leer war. Es war jetzt Montag, 30.11.2015 00:30 Uhr. „Mir ist egal, was sie von PDA halten, ich habe sie 3 Nächte hier gesehen, sie müssen schlafen, sonst schaffen sie Geburt nicht! Ich rufe Anästhesist!“ Nach ein paar Minuten kam die Hebamme, die die letzten Nächte so unhöflich war – wahrscheinlich wegen denn vielen Geburten in ihren harten Schichten, die sie dieses Wochenende hatte – ganz fürsorglich mit einem neuen Beutel für den Tropf herein. „Anästhesist ist gerade bei Kaiserschnitt und braucht noch eine Stunde! Das ich tue Ihnen nicht an, hier ist eine Mischung Opiaten, sie brauchen Ruhe!“ Eine Dreiviertelstunde später kam dann doch ein Anästhesist, zwar nicht der, der gerade im Geburtshaus zuständig war, sondern einer, der irgendwo anders auf dem Gelände Dienst und wegen seines Laufs durch die geheimen Gänge unter der Klinik nicht gerade eine ruhige Hand hatte, um Stephie die Nadel ins Rückenmark zu stecken! Als wir sie weckten, erkannte ich sie kaum wieder! Stephie war leicht – ok, ziemlich – benebelt, ließ die Aufklärung über sich ergehen und unterschrieb dann wie eine Erstklässlerin das Formular, das der nette Herr ihr reichte. Dieser versuchte dann ganze 4 Mal die PDA zu platzieren, als sich die Tür öffnete und ein junger, leicht korpulenter Mann eintrat, übernahm und in einem Streich die Nadel einstach. Normalerweise bin ich ein echtes Pienzchen, wenn es um Nadeln geht, ich kann das einfach nicht sehen, wie sie durch die Haut gestochen werden. Und ja, ich muss gestehen, dass mich dabei eigentlich regelmäßig die Ohnmacht überkommt! Aber da war es komischerweise überhaupt kein Problem! Ich habe genau beobachtet, was der Anästhesist gemacht hat und bin dabei nicht umgefallen! Naja, es reicht ja auch, wenn eine Person nicht ganz da ist…

Es war 1:15 Uhr, als Stephie endlich für etwas längere Zeit die Augen schloss und wir beide etwas Kräfte tanken konnten.

Gegen 4:30 Uhr sind wir beide wieder aufgewacht und um 5:45 Uhr untersuchte die Hebamme erneut den Muttermund: 6-7 cm! Was für eine Erleichterung! Endlich ging es voran! Während der Untersuchung ist dann auch die Fruchtblase geplatzt! Ich war ja schon die ganze Zeit nervös, aber jetzt…

Irgendwie krieg ich alles, was ab da passiert ist nicht mehr richtig zusammen.

Ich weiß nur, dass Stephies rechtes Bein durch die PDA leicht taub war und ich sie auf dieser Seite besonders stützen musste. Um 8:30 Uhr war der Muttermund endlich vollständig geöffnet und Stephie turnte über das Bett/Stuhl – wie soll man das jetzt nennen, wenn es sich komplett umbauen lässt?!

Ich war durchgehend an Stephies Seite, habe ihr die Lippen eingecremt, Wasser gereicht und mich anschreien lassen! Ja, dafür sind wir Männer glaube ich da, alles machen, damit die Frau sich wohlfühlt – soweit das eben geht – und die Anstrengungs- und Erschöpfungsschreie über sich ergehen zu lassen.

Als sich das Köpfchen langsam zeigte, wollte ich es unbedingt sehen! Ja ja, viele sagen Männer sollen am Kopfende des Bettes bleiben, sie würden sonst ein Trauma bekommen… Aber hey, ich habe das Baby da rein bekommen, ich sollte gefälligst auch sehen, was es meine Frau kostet, es da wieder raus zu bekommen! Und nein, ich habe davon keinen Schaden genommen!

Und dann war es soweit:

Montag, der 30.11.2015 um 9:45 Uhr! Unser Baby wurde geboren und auf Stephies Brust gelegt! Klein, wunderschön und wimmernd, nicht schreiend, sondern eher wie ein kleiner Welpe oder ein Lämmchen jammerte sie ein bisschen… Ich kann diesen Moment überhaupt nicht beschreiben. Pures Glück! Was anderes kann ich nicht sagen… 

Dieser Augenblick schien ewig zu dauern, wie ich meine zwei Frauen im Arm hielt und wir plötzlich eine kleine Familie waren… 

Während der Schwangerschaft hatte ich ja leichte Panik, weil ich irgendwie keine Beziehung zu unserem Baby aufbauen konnte, das dort in Stephies Bauch heranwuchs (Dazu mehr unter dem Stickwort Daddys Diary). Diese Angst war sofort verschwunden, als meine kleine Prinzessin auf der Welt war. Ich konnte mir jetzt nicht mehr vorstellen, jemanden mehr zu lieben als sie… 

Dieser Moment der Dreisamkeit dauerte übrigens gar nicht so lange! Stephie ist Rhesus negativ und Gwenny positiv, deshalb musste die Nabelschnur schnell durchtrennt werden, was ich zu meinem Erstaunen sehr gut hinbekam! Die Hebamme war auch ganz erstaunt, als sie diesem jungen Papa zeigen wollte, wie man das Baby wickelt und anzieht… Ich hatte das ja schon öfter bei Rosalie gemacht, also lief das auch wie am Schnürchen! Ok, ich habe doch ganz schön gezittert, schließlich war ich jetzt Papa und dieses kleine Mädchen wird für immer zu mir gehören…

 

5 Gedanken zu “Geburtsbericht aus Männersicht – Das Finale

  1. Danke für den wunderschönen Bericht! Es war einfach immer zum Mitfiebern und jetzt am Ende hatte ich auch echt wieder Tränen in den Augen…. (nicht schlimm, hab ich oft, aber ich hab vor 10 min Mascara aufgetragen😎)

    Gefällt mir

  2. So schön, auch die Papaseite zu lesen. Ich am Ende war ich ein bisschen verwirrt: die Nabelschnur muss schnell durchtrennt werden wegen der Positiv-Negativ Rolle? Man testet die Blutgruppe des Babys mit Blut aus der Nabelschnur. Wenn es dann positiv ist bekommt die Mama bis 72h danach die letzte Impfung. Das Auspulsieren der Nabelschnur bringt dem Baby ganz viel. Vielleicht könnt ihr das für euer nächstes Würmchen mitnehmen. Bin selbst Rhesus negativ und wurde erst beim Dritten so aufgeklärt! Alles Liebe für euch

    Gefällt mir

  3. …. Ohhhh… und jetzt hab ich Pipi in den Augen…
    Und das am frühen Samstag Morgen! 😭
    Wunderschön ❤
    Mein Mann weigert sich ja vehement, Geburtsberichte zu schreiben… Grmpf.
    Naja, vielleicht irgendwann beim 3. 😉

    Gefällt mir

  4. Hach … ich bin erst vor kurzem auf deine Seite gestoßen. Dein Geburtsbericht ist einfach zum dahinschmelzen ❤️ Ich freue mich schon, wenn dein zweiter Bericht komplett ist und ich wieder heulen kann 😅

    Gefällt mir

  5. Du habe so mitgefiebert, dass du es hoffentlich rechtzeitig zur Geburt schaffst und war zu Tränen gerührt! Toller Bericht. Danke für den Einblick!
    Wow, wie stark deine Frau ist! Ob ich das so durchgehalten hätte? Ich hatte beide mal das Glück einer schnellen Geburt (8 1/2 und 6 Stunden ab Wehenbeginn). Großer Respekt für die Leistung es über Tage durchzustehen!

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s