Das Baby, die Milchbar und der Brei

Ich war die ersten knappen 6 Monate fein raus, wenn es um die Ernährung unserer Tochter ging. Gut, ich habe ihr schon ab und zu mal eine Flasche gegeben. Zum Beispiel in der ersten Wochen nachts damit Stephie mal schlafen konnte oder wenn sie mal in Ruhe mit ihren Freundinnen einen Kaffee trinken wollte. Richtig Lust auf das Fläschchen hatte Gwendolyn aber irgendwie nie…

Aber so im Großen und Ganzen gab es nichts zu bedenken, denn Gwendolyn wurde gestillt und da hat man ja immer genug Vorrat dabei – die Anwesenheit der Frau mal vorausgesetzt – und Auswahl gibt es nicht.

Doch dann beginnt man ja irgendwann mal mit Beikost, das Kind muss ja mal an richtiges Essen gewöhnt werden, damit es nicht noch mit 6 Jahren ankommt und sich unter Mamas T-Shirt verkriecht (ich weiß, das gibt es)! Also her mit den Flyern der Hersteller, Elternratgeber und Hebammenempfehlungen, die natürlich – wie sollte es anders sein, das ist beim Thema Baby immer so – alle ganz unterschiedliche Empfehlungen geben. Wie viele Frauen hatte Stephie anfangs vor, alles selbst zu kochen und Gwendolyn nur das Beste zukommen zu lassen. Doch ich war der Meinung, wir könnten uns diese Zeit sparen, vor allem, weil man – außer man kauft direkt vom Feld – das Gemüse gar nicht so genau kontrollieren kann, wie die großen Firmen. Wir haben einmal Pastinake selbst gekocht, das war vielleicht ein Aufwand… Erst einmal: Wo finde ich dieses Gemüse in der gewünschten Qualität? und dann: Welches Beikostöl (ich wusste nicht, dass es sowas überhaupt gibt) ist gut und soll mit rein? Und am Ende die Sauerei mit dem Mixer und dem Einfrieren…

Na egal, jetzt kaufen wir Gläschen!

Da Pastinake nicht wirklich gut lief, sind wir schnell auf Kürbis umgestiegen, was für Kleidung und Möbel natürlich ein Risiko darstellt. Die erste Zeit war auch noch alles fleckenfrei, jedoch hatten wir schon ein paar Mal echt Glück. Einmal haben wir Gwendolyn bei meine Schwiegereltern zuhause im frisch gestrichenen weißen Esszimmer gefüttert. Da ging beim Essen alles gut, jeder Löffel fand problemlos den Weg in den Mund und der orangene Brei wurde auch gegessen. Doch beim letzten Löffel passierte mir ein großer Fehler: ich hab ihn voll mit Kürbisbrei liegen lassen… Keine gute Idee, denn Gwendolyn griff danach und schleuderte ihn quer über den Tisch! Aber wir – oder eher ich – hatte Glück: kein einziger Fleck an der Wand! Puh…

Das mit dem brav essen war dann schnell wieder passé als die Zähnchen kamen! Ich will gar nicht wissen, wie viel Brei wir da warm gerührt und danach weggeschmissen haben. Eine Zeit lang lief dann nichts mehr.

Man macht sich als Eltern ja immer sofort verrückt, also haben wir nach Tipps und Tricks gesucht. Uns wurde dann empfohlen eben keinen Brei mehr zu machen, wahrscheinlich wolle Gwenny etwas in der Hand halten und darauf herumkauen. Also Gurken und Karotten in Stifte geschnitten und die Kleine erst einmal an dem rohen Gemüse nuckeln lassen. Als sie damit dann sehr zufrieden war, haben wir die Karotten gedünstet, denn von einer rohen hat sie ja nichts abbekommen. Wir saßen dann einmal beim Abendessen, haben Gwendolyn die gedünstete Karotte auf ihren Teller gelegt und einfach mal machen lassen… Bis das erste Husten kam… Ok, sie hat sich schon immer mal leicht verschluckt, ist ja nichts schlimmes dran… Dann noch ein Husten und ein Baby, das mit geweiteten Pupillen und offenem Mund seine Eltern anstarrt! So schnell bin ich glaube ich noch nie von meinem Stuhl aufgesprungen. Mir kam es vor wie eine Ewigkeit, bis wir Gwendolyn endlich aus dem Gurt des Babystuhls befreit hatten und dieses blöde Stück Karotte aus ihrem Hals raus war… Wahrscheinlich dauerte es nur ein paar Sekunden, die aber schrecklich lang wirkten. Jetzt haben wir das Leben unserer Prinzessin aufs Spiel gesetzt nur damit sie endlich mal etwas „richtiges“ isst.

Wie bescheuert…

Aber so läuft das Elternsein: Man lässt sich von Ratgebern und Monatsangaben so verrückt machen, dass man überhaupt nicht mehr weiß, was gut ist für das Kind.

„Food under 1 just for fun“ hat mir dann mal jemand gesagt und das hat mich entspannt. Danach war es mir egal, wie lange Gwendolyn noch an der Milchbar bleibt. Wir sind das Thema Essen dann wieder ganz locker angegangen: Gwendolyn wurde dann einfach weiter voll gestillt und immer wenn wir am Tisch saßen und gegessen haben, bekam sie auch etwas auf den Teller, das sie mitessen oder liegen lassen konnte…

Mittlerweile geht Gwenny überhaupt nicht mehr an die Brust. Wie wir das „geschafft“ haben, davon berichte ich euch demnächst.

 

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