Geburtsbericht aus Männersicht – Charly: die Vorgeschichte

Ich habe lange überlegt, ob ich diese Geschichte veröffentliche… Klar, hab ich Gwennys Geburt schon mit euch geteilt, aber bei Charly war das irgendwie alles anders. Mittlerweile habe ich diesen „Geburtsbericht“ schon so oft erzählt und gemerkt, dass es mir jedes Mal gut tat.

Das klingt jetzt alles nach Riesendrama, aber keine Sorge, so schlimm ist es nicht. 

Die Vorbereitung für Charlys Geburt bestand für mich wieder darin meinen Dienstplan so anzupassen, dass ich jederzeit rechtzeitig ins Krankenhaus kommen kann. Wie bei Gwendolyn hatte ich mir 10 Tage Urlaub genommen. Diesmal aber nicht so, dass der errechnete Termin mittendrin lag, sondern so, dass der ET mein letzter Urlaubstag war. „Jede Frau hat ihre eigene Tragezeit und da Gwenny schon ‚grundlos‘ 3 Wochen zu früh kam, ist damit zu rechnet, dass du Nummer 2 nicht überträgst!“, meinte Stephies Hebamme zu ihr. Am 28.3. war ET, ab 18. hatte ich Urlaub und die restlichen Märztage ließ ich mir dann mit „Kurzstrecke“ verplanen. Leider klappte das dieses Mal nicht so gut wie bei Gwenny, wo mein Dezember voller Ziele war, die ich auch mit Auto oder Zug verlassen und zu Stephie fahren könnte. Gleich meine erste Tour Anfang März sollte mich eigentlich 2 Nächte nach Istanbul, eine nach Moskau und eine nach London führen. 5 Tage unterwegs und die Nächte in Städten, die eine schnelle Heimreise nicht zulassen würden.

Mit den richtigen Argumenten und auch etwas Glück schaffte ich es, die Tour zu tauschen und eine reine Deutschlandtour zu bekommen. Meine Nächte sollte ich in Bremen, Dresden, Stuttgart und Hannover verbringen.

Flying Daddy – noch „Einfachpapa“

Sonnenuntergang am 2. März

Meine Crew war eine, wie man sie sich nur wünschen kann, irgendwie die perfekte Mischung: Kapitän: Schokolade zum Frühstück – äh, nein, zum Briefing; Copilot: Österreicher; Purserette: Autorin (Interview folgt) und die Kollegin eine unglaublich sympathische Düsenmutti. Wir frühstückten in Bremen und Dresden gemeinsam und hatten bei der Arbeit Riesenspaß. Nessi (die Kollegin) verließ uns allerdings nach dem Flug Dresden-Frankfurt, weil sie sich erkältet hatte.

Morgens am 3.3. nichtsahnend in Dresden

Als „Ersatz“ stieg eine richtige Frankfurterin zu. Wir flogen noch Toulouse hin und her und als ich um halb 9, kurz vor dem letzten Flug des Tages, der uns nach Stuttgart führen sollte, mein Handy anmachte, wurde ich ganz bleich im Gesicht.

„Ich glaub, ich hab Wehen“, stand da als Antwort auf meine Frage, wie der Tag so war. „Ja wie ‚ich glaub‘?“, tippte ich, schickte die Nachricht aber nicht ab, sondern rief Stephie direkt an. Während ich darauf wartete, dass Stephie endlich abnahm rechnete ich schon wild in meinem Kopf.

In 40 Minuten sollten wir nach Stuttgart fliegen. Sollte ich aussteigen, würde sich der Flug verspäten, denn ein Ersatz für mich hat 60 Minuten Zeit, bis er auf dem Flieger sein muss. Was, wenn es wie bei Gwenny, wieder ewig dauert? Schließlich vergingen da von der ersten Wehe bis zur Geburt 4 Tage (die ganze Story findet ihr hier). Soll ich vielleicht noch schnell nach Stuttgart fliegen und dann mit einem Mietwagen zurück?! Bis ich dann wieder in Frankfurt wäre, wäre es sicher 1 Uhr nachts und das auch nur, wenn ich so spät noch so schnell einen Wagen bekomme.

Stephie ging ran und erklärte mir, dass ihre Eltern schon auf dem Weg zu ihr seien. Sie war sich aber nicht sicher, ob es vielleicht ein Fehlalarm ist, schließlich hatte sie noch knapp 4 Wochen bis zum ET. Sie wollte nicht, dass ich umsonst aus meiner Tour aussteige.

Mit Stephie am Telefon lief ich ins Cockpit, wo sich das „Führungsteam“ gerade über den letzten Flug unterhielt.

„Meine Frau hat Wehen, ist sich aber nicht sicher, ob es wirklich losgeht.“

„Du musst jetzt in dieser Sekunde entscheiden ob du aussteigst, denn eigentlich ist es schon zu spät!“, meinte der kinderlose Kapitän ziemlich gefühllos. „Wenn das meine Frau am Telefon wäre, würde ich schon im Auto sitzen!“, sagte mir der Co, dessen zweites Kind auch gerade unterwegs war. „Mach dir keine Gedanken, steig aus und fahr zu deiner Frau, ganz egal ob die Geburt los geht oder nicht!“, mit diesen Worten umarmte mich die Purserette und sendete mich nach hinten, damit ich mich von unserer Frankfurterin verabschieden konnte. „Alles Gute für dich! Vergiss mich nicht, wenn du mal den Nobelpreis gewinnst!“, wie sie auf diesen Spruch gekommen ist, das weiß ich bis jetzt noch nicht.

Und damit war ich raus. Schnell wie nie lief ich zum Auto und fuhr nach Hause.

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