Warum setzten wir uns gegenseitig so unter Druck?

Eigentlich wollte ich nur einen Post auf Instagram machen, aber dann hatte ich so viel zu sagen, dass es dort nicht hingepasst hat.
Na gut, dann eben hier.

Ein Thema, über das Stephie und ich regelmäßig stolpern, ist der Druck den sich Mütter selbst oder gegenseitig machen. Auch unsere Freundinnen haben dazu immer was zu sagen und deshalb wollte ich das einfach mal ansprechen.

Ok, fangen wir mal mit einem Foto von letzter Woche an:

Hier seht ihr mich mit Charly im Aufzug. Sie hatte einen Arzttermin und wir waren „ready to go“. So wollte ich das Bild eigentlich auch auf Instagram posten, bis ich mich dann mit Stephie wieder bei „Elternstress“ oder „Mamadruck“ oder „Erziehungsdruck“, wie auch immer man es nennen mag, gelandet bin. Auf dem Foto sieht es nämlich so aus, als würde ich mich ganz entspannt mit Charly auf den Weg zum Arzt machen.
#superdad und so!
Es löst vielleicht Gedanken wie diesen hier aus:

„Wow, wie entspannt er das macht! Perfekt gestylt geht er mit den zwei kleinen Kindern alleine zum Arzt. Was mache ich eigentlich falsch, dass ich das nicht hinbekomme?“

Und es gibt noch mehr Beispiele:

Wer hat sich denn noch nicht schlecht gefühlt,

wenn eine Mutter auf dem Spielplatz die perfekt gestaltete Lunchbox mit Gurken in Herz- und Sandwiches in Puzzleteilform auspackt und man es selbst gerade so zum Bäcker geschafft hat um eine Brezel zu kaufen und selbst das ein Riesendrama war?

Oder wenn eine Mutter in den Krabbelgruppenchat ein Foto von selbstgenähten Kinderhosen schickt, während man selbst nicht mal dazu kommt, auch nur eine kleine offene Naht zu schließen, weil man nur damit beschäftigt ist, die Große davon abzuhalten, die Kleine als Nadelkissen zu verwenden?

Oder hier in Social Media, wenn der gleichaltrige Instakinderstar mit Blumenerde das Wohnzimmer verwüstet und die Instamum ganz gelassen was von „Attachment Parenting“ erzählt?

Aber was man sich da selbst einfach immer wieder klar machen muss ist, dass das alles nur eine kleine Momentaufnahme des Alltags ist. Die Lunchboxmum hatte vielleicht gerade Besuch von ihrer Mutter, der sie mit der perfekten Box zeigen selbst vormachen wollte, wie gut sie das alles hinbekommt. Die Näherin nutzt den Mittagsschlaf ihrer Kinder vielleicht ausnahmsweise mal nicht dafür, die Spülmaschine aus- oder die Waschmaschine einzuräumen.
Und zur Instamum: Ich hab da schon so einige getroffen und manche auch schon in vermeintlich unbeobachteten Momenten beobachtet. Ich kann euch sagen: lasst euch nicht verrückt machen! Wir sind alle nur Menschen mit begrenzter Nervenstrapazierbarkeit, egal, wie attached unser parenting auf Instagram zu sein scheint!

Was ihr auf meinem Spiegelselfie im Aufzug nicht sehen könnt, sind die Rotzflecken, die ich überall am Pulli habe, den Schweiß, der meinen grauen Pulli fast schwarz gefärbt hat und den roten Kopf, dessen Farbe sich erst nach ein paar Minuten an der frischen Luft wieder normalisiert hat.
Denn bis wir alle drei angezogen waren und so „entspannt“ im Aufzug standen, musste ich zwei Mal den Raum verlassen um mal durchzuatmen. Vor allem, weil Madame mal wieder meinte, den rechten Stiefel am linken Fuß tragen zu müssen und sich nicht helfen lassen wollte und Mademoiselle in Anzug und Trage mittlerweile so warm geworden war, dass durch ihr Gejammere die Lautstärke meiner Diskussion mit Gwenny  ins unermessliche gestiegen war.

So, das wollte ich nur mal sagen! Nirgends läuft es perfekt. Es sieht nur manchmal so aus, weil wir – und damit meine ich nicht nur die Instagrammer, sondern uns alle – im Bekanntenkreis und der Öffentlichkeit ja nur das preisgeben, was uns gut dastehen lässt. Niemand will im Whatsappchat ein Foto von den Staubmäusen oder dem vollen Windeleimer sehen oder?

7 Gedanken zu “Warum setzten wir uns gegenseitig so unter Druck?

  1. Großartig geschrieben! Ich finde es ja toll, dass es all die schönen Blogs etc. gibt und lasse mich dort auch gerne inspirieren. Selber gehöre ich aber eher zu den chaotischen Mamas. Es gibt natürlich Dinge, die mir sehr wichtig sind; dafür sehe ich andere Sachen wieder sehr entspannt.
    Liebe Grüße, Simone

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  2. Danke für deine Worte! Aus diesen Gründen hab ich mich sehr lange aus den sozialen Medien rausgehalten. Ich fühlte mich mit zwei kleinen Kids so oft so fix und fertig, dass ich es nicht ertragen konnte die ganzen alles-is-so-super Fotos der anderen Mütter zu sehen. Bis ich einmal ein Fotoalbum von meinen Kindern und mir durchschaute und merkte „he, das sind ja auch alles supertolle Fotos“. Tja, ich hab eine zeitlang gebraucht, um mir selber den Druck zu nehmen. Schlussendlich schaut man sich ja gerne die schönen Bilder an, auch wenn man genau weiß, wie die Hintergrundgeschichten dazu waren. 😉

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